Vertrauen

In der Beobachtung meiner Schulkinder und meiner eigenen Kinder habe ich erlebt, dass die wichtigste Komponente die eigene Motivation darstellt. Aus dem Studium und der theoretischen Beschäftigung mit Lerntheorien weiß ich, dass Lernen und das Speichern von Informationen vor allem in der Verknüpfung mit positiven Emotionen stattfindet.

Ist dein Kind gerade nicht davon überzeugt und sieht keine Notwendigkeit darin, sich gerade einem mathematischen Problem zu widmen, wird es unweigerlich Frust erleben, was im schlimmsten Fall dazu führt, dass das Gefühl verknüpft wird, dass es schlecht in Mathe ist. Ebenso kann es mit dem Schreiben oder Lesen sein, dass dein Kind es zum Beispiel sehr genießt vorgelesen zu bekommen und — noch — keinen Mehrwert darin sieht, selbst lesen zu lernen.

Aus der anderen Richtung betrachtet bedeutet dies, dass Kinder, wenn sie ein Interesse entwickeln, in einer rasanten Geschwindigkeit Dinge erlernen können, sodass wir Erwachsenen schon manchmal neidisch werden können. Sie erlernen innerhalb von Wochen eine neue Sprache, wenn sie auf Reisen mit anderen Kindern in Kontakt kommen möchten oder werden zum Pilzspezialisten, wenn man sie lässt und sie das geeignete Material zur Verfügung gestellt bekommen.

Als Mutter oder Vater erwächst daraus die Frage, ob ich es aushalten kann, dass mein Kind vielleicht noch nicht flüssig liest, langsam schreibt, aber mit Vorliebe Zahlenmauern rechnet, Sudokus löst und nach den größten Zahlen der Welt fragt.

Hier spielt meine innere Haltung eine große Rolle. Kann ich es aushalten, will ich es aushalten. Kann ich vertrauen, dass mein Kind das alles schafft, mit Geduld, Zeit und Vertrauen.

Lesen, Schreiben und Mengenverständnis, das sind die Kompetenzen, die immer als erstes abgefragt werden, nach denen Außenstehende fragen, wenn man erzählt, das Kind sei jetzt endlich Erstklässler oder Vorschulkind. Genau diese Kompetenzen sind es aber, die wir in unserer Welt unseren Kindern geradezu täglich vorleben und die unsere Kinder auch lernen wollen.

Unsere größte Aufgabe besteht im authentischen (Vor-)leben und einbeziehen unserer Kinder in dieses Leben.

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Madeleine Holzenburg
Ich helfe Eltern dabei, zu entspannten Lernbegleiter*innen für Ihre Schulkinder zu werden. Die täglichen Herausforderungen des Schulsystems kenne ich aus meiner Zeit als Grundschul- und Gymnasiallehrerin. Als Mutter zweier Jungs weiß ich, was der Familienalltag für Hürden mit sich bringt. Und als Reisende begleite ich meine Kinder seit über einem Jahr als Lernbegleiterin beim selbstständigen Lernen. Diese vielseitige Erfahrung und mein Wissen aus unterschiedlichen Bereichen und Perspektiven möchte ich weitergeben. Mehr lesen

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