Haltung einnehmen

Ein Pfeiler zur guten Lehrerpersönlichkeit ist die Authentizität. Nur wenn ich authentisch bin, wenn ich das tue und lebe, was ich auch wirklich vertreten kann, kann ich auch andere davon überzeugen, dass es nachahmenswert ist. Wenn witziges Entertainment nicht ‚unser Ding‘ ist, sollten wir es vor einer Klasse auch gar nicht versuchen. Als ‚Kumpeltyp’ brauchen wir nicht den strengen Macker raushängen lassen. Einerseits durchblicken Kinder die Fassade sofort, andererseits kann es auch einfach peinlich enden, eine Rolle vorzuspielen. Das lernt quasi jede*r Referendar*in zu Beginn der Ausbildung.

Seitdem ich Mutter bin, beschäftigt mich dieses Thema auch zu Hause. Was möchte ich meinen Kindern vermitteln und was lebe ich vor. Kann ich etwas wirklich verbieten, was ich eigentlich selbst super gern mache? Welche Haltung habe ich eigentlich zu Süßigkeiten, Medienkonsum, Computerspielen oder bestimmtem Spielzeug wie Pokemonkarten, Barbiepuppen, Hot Wheels Autos, oder was sonst gerade ‚in‘ ist. Was muss ich mit-tragen, damit es meinem Kind in seiner Peer Group gut geht, was kann ich aussparen. Welchen Konflikt trage ich tatsächlich aus, welchen lasse ich sein?

Nur wieso ist das Schulthema eigentlich so etwas, um das sich nur die Lehrer*innen kümmern sollen? Der Übergang vom Kindergarten zur Schule wird von vielen groß gefeiert, alle sind stolz und freuen sich mit dem werdenden Schulkind. Ab da ist es aber grundsätzlich egal, was da in der Schule vermittelt wird, wie unterrichtet, bewertet, erzogen wird. Es gibt ja Lehrpläne und Kompetenzen, auf die man sich geeinigt hat. Und sowieso hat die Schule ja bisher auch niemandem geschadet, da mussten ja alle irgendwie durch.

Dass sich jedoch seit dem Beginn unseres Schulsystems, wie es heute noch besteht, innerhalb der rund 100 Jahre eine Menge gewandelt hat, dass die Welt und die Umwelt unserer Kinder heute eine gänzlich andere ist, als noch vor 100 / 50 / sogar 20 Jahren, wird schulisch gesehen leider immer noch sehr wenig thematisiert. Gute Lehrer*innen allein reichen nicht, die Ministerien schaffen es allein auch nicht. Es braucht Viele, die Haltung einnehmen und sie vor ihren Kindern vertreten. Authentisch.

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Madeleine Holzenburg
Ich helfe Eltern dabei, zu entspannten Lernbegleiter*innen für Ihre Schulkinder zu werden. Die täglichen Herausforderungen des Schulsystems kenne ich aus meiner Zeit als Grundschul- und Gymnasiallehrerin. Als Mutter zweier Jungs weiß ich, was der Familienalltag für Hürden mit sich bringt. Und als Reisende begleite ich meine Kinder seit über einem Jahr als Lernbegleiterin beim selbstständigen Lernen. Diese vielseitige Erfahrung und mein Wissen aus unterschiedlichen Bereichen und Perspektiven möchte ich weitergeben. Mehr lesen

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